Ratgeber
Unternehmen prüfen
Fragen und Arbeitsweisen für eine strukturierte Prüfung eines Unternehmens.
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Fragen und Arbeitsweisen für eine strukturierte Prüfung eines Unternehmens.

Vor einem Unternehmenskauf müssen Sie verstehen, was Sie wirtschaftlich und rechtlich tatsächlich übernehmen. Die Due Diligence verbindet Dokumentenprüfung, Datenanalyse, Managementgespräche und fachliche Bewertung. Sie prüft, ob die Annahmen aus Exposé, Planung und Verhandlung belastbar sind.
Eine gute Prüfung sucht nicht nur nach Fehlern. Sie klärt, welche Risiken akzeptabel sind, welche Maßnahmen erforderlich werden und welche Punkte in Kaufpreis, Finanzierung oder Vertrag berücksichtigt werden müssen.
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Die Prüfung soll Ihnen eine fundierte Entscheidung ermöglichen:
Wichtig: Due Diligence bedeutet nicht, jedes Risiko auszuschließen. Ein Käufer muss Risiken erkennen, bewerten und bewusst entscheiden, wie er damit umgeht.
Notieren Sie vor der Datenanforderung, warum das Unternehmen attraktiv ist und welche Annahmen dafür stimmen müssen. Beispiele:
Die Prüfung sollte diese Hypothesen bestätigen oder widerlegen.
Ein kleiner Dienstleistungsbetrieb benötigt andere Prüfschwerpunkte als ein produzierendes Unternehmen mit Immobilien, Umweltauflagen und internationaler Lieferkette. Größe, Branche, Rechtsform, Transaktionsstruktur und bekannte Risiken bestimmen die Tiefe.
Strukturieren Sie Unterlagen nach Themen und führen Sie offene Fragen in einer zentralen Liste. Vermeiden Sie unkoordinierte Einzelanfragen unterschiedlicher Berater.
Jeder Befund sollte nach finanzieller Auswirkung, Eintrittswahrscheinlichkeit, Dringlichkeit und möglicher Lösung bewertet werden.
Ein Risiko kann unterschiedliche Folgen haben:
Die finanzielle Prüfung untersucht Ertragskraft, Cashflow, Vermögenslage und Qualität der Zahlen.
Fordern Sie typischerweise an:
Prüfen Sie, ob Jahresabschluss, laufende Auswertungen und Managementangaben zusammenpassen.
Analysieren Sie:
Red Flag: Starkes Umsatzwachstum ohne entsprechende Entwicklung von Auftragseingang, Liquidität oder operativer Kapazität.
Ermitteln Sie ein nachvollziehbar normalisiertes Ergebnis. Prüfen Sie:
Jede Bereinigung sollte dokumentiert, belegt und für die Zukunft plausibel sein.
Forderungen, Vorräte und Verbindlichkeiten binden Liquidität. Prüfen Sie:
Ein Unternehmen kann profitabel erscheinen und trotzdem dauerhaft Liquidität verbrauchen.
Berücksichtigen Sie nicht nur klassische Bankdarlehen:
Stimmen Sie früh ab, welche Positionen im Kaufpreis als Verschuldung, Liquidität oder Working Capital behandelt werden.
Steuerliche Risiken können vergangene Zeiträume betreffen und erst nach der Übernahme sichtbar werden. Typische Unterlagen und Fragen:
Steuerberater sollten prüfen, welche Risiken in der gewählten Transaktionsstruktur verbleiben und welche vertraglichen Regelungen erforderlich sind.
Die rechtliche Prüfung klärt Eigentum, Verpflichtungen, Zustimmungen und Streitpotenzial.
Red Flag: Ein zentraler Vertrag kann bei Eigentümerwechsel gekündigt werden oder ist nicht wirksam auf das Unternehmen abgeschlossen.
Prüfen Sie, welche Erlaubnisse, Zertifizierungen und Registrierungen für den Betrieb erforderlich sind. Dazu können branchenspezifische Zulassungen, Umwelt-, Bau-, Export-, Produkt- oder Datenschutzanforderungen gehören.
Die kommerzielle Prüfung fragt, ob Marktposition und Zukunftsplanung plausibel sind.
Nutzen Sie externe Quellen, Kundeninterviews oder Branchenexperten, ohne Vertraulichkeit zu verletzen.
Red Flag: Ein erheblicher Umsatzanteil basiert auf mündlichen Zusagen oder persönlichen Beziehungen, die nicht übertragbar erscheinen.
Prüfen Sie, wie Leads entstehen, Angebote in Aufträge übergehen und Vertriebsleistung gemessen wird. Vergleichen Sie Pipeline, Auftragsbestand und historische Konversionsraten mit der Planung.
Mitarbeitende sind bei vielen Übernahmen der wichtigste Wertträger. Prüfen Sie:
Führen Sie sensible Mitarbeiterdaten nur anonymisiert oder in einer angemessen späten Phase zusammen. Datenschutz und arbeitsrechtliche Vorgaben sind zu beachten.
Erstellen Sie eine Aufgabenmatrix:
| Aufgabe | Aktuell verantwortlich | Stellvertretung | Dokumentiert? | Übergaberisiko |
|---|---|---|---|---|
| Top-Kunden | Inhaber | Vertriebsleitung | teilweise | hoch |
| Preisfreigaben | Inhaber | niemand | nein | hoch |
| Lieferantenauswahl | Einkauf | Inhaber | ja | mittel |
| Monatsreporting | Buchhaltung | Steuerberater | ja | niedrig |
Diese Matrix wird zur Grundlage des Übergabeplans.
Je nach Geschäftsmodell sollten Sie untersuchen:
Besichtigungen sind besonders wichtig. Dokumente zeigen selten den tatsächlichen Zustand von Maschinen, Lager, Werkstatt oder Organisation.
Digitale Risiken können den Geschäftsbetrieb unmittelbar treffen. Prüfen Sie:
Red Flag: Kritische Systeme laufen ohne Support, Backups wurden nie getestet oder administrative Zugänge liegen ausschließlich bei einer externen Einzelperson.
Falls relevant, prüfen Sie:
Spezialisten können erforderlich sein, wenn mögliche Umwelthaftung, technische Mängel oder erhebliche Immobilienwerte bestehen.
Eine mögliche Struktur ist:
Nutzen Sie eindeutige Dateinamen, Versionen und ein Fragenprotokoll. Zugriffe sollten personengenau steuerbar und nachvollziehbar sein.
Einzelne Red Flags bedeuten nicht automatisch, dass der Kauf scheitern muss. Mehrere unklare Punkte oder fehlende Transparenz können jedoch ein Muster zeigen.
Achten Sie besonders auf:
| Risiko | Beleg/Quelle | Auswirkung | Wahrscheinlichkeit | Maßnahme | Verantwortlich | Status |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Top-Kunde ohne langfristigen Vertrag | Kundenliste, Gespräch | hoch | mittel | Kundenbindung prüfen; Kaufpreis-/Garantieregelung | Käufer/Anwalt | offen |
| Alte ERP-Software | IT-Liste | mittel | hoch | Migrationsbudget und Zeitplan | IT-Berater | geprüft |
| Offene Betriebsprüfung | Steuerunterlagen | hoch | offen | Steueranalyse und Freistellung | Steuerberater | in Arbeit |
Trennen Sie Fakten, Annahmen und Meinungen. Jede wesentliche Entscheidung sollte auf dokumentierten Informationen beruhen.
Mögliche Mechanismen sind:
Welche Lösung angemessen ist, hängt vom konkreten Risiko und der Transaktionsstruktur ab. Ein vertraglicher Schutz ersetzt nicht immer eine wirtschaftlich schwache Ausgangslage.
Vergleichen Sie Antworten mit Daten und Dokumenten. Konsistenz ist ein wichtiges Vertrauenssignal.
Häufig nach einem ersten Angebot oder Letter of Intent und sobald der Verkäufer einem vertieften Datenzugang zustimmt. Eine begrenzte Vorprüfung beginnt bereits mit Exposé und Erstgespräch.
Der Käufer koordiniert das Gesamtbild. Finanz-, Steuer- und Rechtsexperten sowie je nach Branche IT-, Technik-, Umwelt- oder Marktspezialisten prüfen ihre Bereiche.
Das hängt von Größe, Datenqualität, Komplexität und Reaktionsgeschwindigkeit ab. Ein klarer Fragenprozess und gut vorbereiteter Datenraum verkürzen die Dauer erheblich.
Wesentliche entscheidungsrelevante Fragen sollten geklärt sein. Verbleibende Unsicherheiten müssen bewusst bewertet und gegebenenfalls vertraglich oder wirtschaftlich berücksichtigt werden.
Dabei lässt der Verkäufer das Unternehmen vor oder während des Prozesses selbst strukturiert prüfen und stellt einen Bericht bereit. Käufer müssen Umfang, Unabhängigkeit und eigene Prüfbedürfnisse dennoch beurteilen.
Klären Sie Ursache, Bedeutung und mögliche Ersatznachweise. Dauerhaft fehlende Kernunterlagen können selbst ein Risiko darstellen.
Nur in Abstimmung mit dem Verkäufer und passend zur Prozessphase. Unkoordinierte Kontakte können Vertraulichkeit, Geschäftsbetrieb und Vertrauen gefährden.
Wenn wesentliche Annahmen widerlegt sind, Risiken nicht angemessen lösbar erscheinen, Finanzierung nicht tragfähig ist oder das notwendige Vertrauen fehlt.
Legen Sie Ihre Erwerbshypothesen und fünf wichtigsten Risikofragen fest, bevor Sie eine umfangreiche Datenliste versenden. Das macht die Prüfung fokussierter und wirtschaftlicher.
Kaufleitfaden · Käuferprofil erstellen · Vertraulichkeit verstehen
Hinweis: Diese Checkliste ist eine allgemeine Orientierung. Umfang und Durchführung einer Due Diligence sollten auf Unternehmen, Branche und Transaktion zugeschnitten und durch geeignete Fachleute begleitet werden.
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